Berlin-Boards

Als Kind hatte ich ein Skateboard. Old School würde man heute sagen. Damals gab es nur eine Art von Boards in Deutschland. Ein Brett (Kunststoff oder Holz) mit vier Rollen darunter. Niemand fragte nach der Art der Achsen oder besonderen Kugellagern. Das Ding rollte und gut!

Nach 40 Jahren bin ich durch meinen Hund, Willy, wieder auf das Rollbrett gekommen. Willy will immer einen Schritt schneller gehen als ich, wenn wir unsere täglichen Runden um den Häuserblock und durch die Parks der Stadt machen. Der Leinenzwang kettet uns aneinander, weshalb ich entweder leicht traben muss oder Willy zum langsamen Schlendern verdammt ist. Mit der Frage, wer wen spazieren führt, ist dann auch geklärt, dass Willy immer das Nachsehen hätte.

Berlinboard Experience

Das Rollbrett gibt uns die Gelegenheit, gleich schnell unterwegs zu sein. Allerdings hatte ich einiges dazu zu lernen. Dancer, Cruiser, Carver, Trickboards und Surfskates bieten für die verschiedensten Skateboard-Disziplinen die passenden Settings an. Fasziniert von unterschiedlichen Achsen, Decks und Montagemöglichkeiten tauchte ich in das Thema ein. … Und es hat mich richtig gepackt.

Und da ist noch etwas. Nehmt es mir nicht übel, dass ich mit Mitte 50 die Designs der meisten Longboards nicht für mich passend empfinde. Ja, die erste Skater-Generation ist alt geworden. Aber glaubt mir, das Feeling auf dem Board ist genau das selbe wie vor vier Jahrzehnten. Körperspannung, Gleichgewicht, Rotation um die eigene Achse und Fliehkraft vermitteln ungetrübt das Gefühl von – Freiheit.

Schnell liebte ich drei verschiedene Boards mit ihren unterschiedlichen Qualitäten. Den Low-Rider von Stevolution für die entspannten späten Runden durch die nächtlich leeren Straßen. Das Airflow Deck aus der Schweiz für den schnellen Start und das leichte Mitführen in der U-Bahn und im Supermarkt. Das selbst zusammengestellte Longboard mit der Curfboard Achse aus München, die mir das Pumpen aus dem Stand ermöglicht. Es sollten über zwanzig Boards werden.

collecting longboards is not a crime

Schon bald verspürte ich das Bedürfnis, etwas zurück geben zu wollen. Diese tollen Longboards, die ich bis auf wenige Ausnahmen – alle mit einer eigenen Geschichte – gebraucht gekauft hatte, sollten etwas von mir bekommen. Natürlich reinigte und pflegte ich die Kugellager, Bushings und Pivot Cups. Aber dann ging es ans Design.

Meine Wege sind in der Stadt, meine Stadt ist Berlin. Mein Corona-Projekt waren künstlerisch verfremdete Photos von Berlin. Es bot sich also an, die Motive auf die Decks zu bringen. Unabhängig von Lockdowns, kann ich so meine Kunst auf die Straße tragen. Das Skaten ist mit natürlichem Abstand zueinander noch ein idealer Sport in Zeiten der Pandemie. Drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ach ja, Willy gefällt es auch sehr!

Hier seht ihr das Photoprojekt, aus dem die Motive für die Decks gewählt sind. Ich freue mich über Kommentare und Anregungen.